In einigen Videos von #allesdichtmachen wurde das Narrativ einer angeblich "gleichgeschalteten" Presse verbreitet. Das hat mich immens geärgert, denn ich bekomme regelmäßig Drohungen von Leuten, die solche Geschichten glauben und meinen, ich sei Teil einer Verschwörung. (1/x)

Teilweise heißt es da, ich wirke ja ganz nett, aber "die da oben" würden mir ja sagen, was ich in Interviews zu sagen hätte... Kritik wird regelmäßig kurzerhand zum Teil der Verschwörung erklärt – eine ganz billige Strategie um sich mit Gegenargumenten nicht befassen zu müssen.

Kritik, die ich äußere muss mit so einem Weltbild quasi nicht mehr ernst genommen werden, weil ich "das ja sagen muss". Mir wird jegliche eigene Entscheidung abgesprochen. Ich werde nicht als eigenständige Person gesehen, sondern bin plötzlich "Agentin" der "gesteuerten Presse".

Und da gibt es noch ein Problem mit diesem Framing: Es verdreht die Fakten. Ich weiß nicht hinter welchem Mond man leben muss, um all die Diskussionen und Kontroversen zur Pandemie in den letzten Monaten nicht mitbekommen zu haben. Also wenn wir über etwas ausgiebig...

... diskutiert haben, dann sicherlich über die Genauigkeit von PCR-Tests, das schwedische Modell und Risiken einer Herdenimmunität-Strategie. Die Bild-Zeitung teilt seit Wochen gegen einen Lockdown aus. Es ist doch keineswegs so, dass alle immer alles abnicken. Das stimmt nicht.

Das Narrativ einer angeblichen Medienverschwörung immunisiert nicht nur gegen Kritik. Gleichzeitig können sich die Verbreiter selbst massiv aufwerten. Sie sind schließlich die "mutigen", die sich als einzige trauen, etwas "dagegen" zu tun.

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@kattascha Und wir sind Schuld, wenn wir in fünf Jahren in einer Corona Diktatur leben.

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