In letzter Zeit stellen einige liberale und konservative Politiker:innen den wieder in Frage. Christian Lindner hat bspw. neulich gefordert "angesichts der zu erwartenden Energieengpässe im Herbst und Winter diesen Jahres", über eine Rückkehr zum nachzudenken. Mittlerweile scheint sich dies auch in der Bevölkerung zu verfangen. Einige Gründe, warum nicht die Lösung ist, möchte ich hier jetzt mal darlegen.
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1. Atomkraftwerke helfen uns bei der nicht, da das meiste Gas nicht zur Stromerzeugung, sondern zum Heizen und fürs Warmwasser genutzt wird. Erdgas hatte im ersten Quartal 2022 einen Anteil von 13% am eingepreisten Strom in Deutschland. Selbst, wenn man nur auf die Stromerzeugung schaut, macht Kernenergie heute gerade mal etwa 6% des deutschen Strommixes aus. Zum Ende des letzten Jahres wurden bereits drei der sechs vorher noch im Betrieb befindlichen Kernkraftwerke abgeschaltet. Anfang 2021 hatte die Kernenergie noch einen Anteil von 12,1%.

destatis.de/DE/Presse/Pressemi
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2. Die Kernkraftwerke weiter laufen zu lassen oder gar wieder hochzufahren, ist nicht einfach. Von gesetzlichen Regelungen abgesehen, müssten zumindest Verträge erneuert und Personal aufgestockt werden. Es wäre zudem eine umfangreiche Sicherheitsprüfung von Nöten, die Jahre dauert, und die Kraftwerke müssten nahezu kernsaniert werden. Zudem müssten wir neue Brennstäbe bestellen, was ebenfalls lange dauern kann. À propos Brennstäbe bestellen: Einer der wichtigsten Uran-Exporteure ist . Die Abhängigkeit würde man da nicht los. Es gibt natürlich noch andere große Exporteure von Uran, aber ob es schlau ist, sich von einer Abhängigkeit in die nächste zu begeben, darf dennoch hinterfragt werden. Und auf die zu erwartenden Energieengpässe gegen Ende diesen Jahres hätten Laufzeitverlängerungen ohnehin keine Auswirkungen. Dafür dauert das alles zu lange.

wienerzeitung.at/nachrichten/p
n-tv.de/politik/Ist-eine-Laufz
augsburger-allgemeine.de/panor
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3. Kernkraftwerke sind unzuverlässig. Das DIW, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, hält für ökonomisch nicht zukunftsträchtig, weil es immer wieder zu langen, geplanten und ungeplanten Ausfallzeiten kommt. Ein gutes Beispiel ist Frankreich, der zweitgrößte Produzent von . Schaut man sich die Kraftwerke dort an, stellt man fest, dass die Ausfallrate hoch ist: Seit den 1970 Jahren wurden mehr als 30% der Kapazitäten nicht genutzt. Die Folgen konnte man beispielsweise Anfang April sehen. Der französische Netzbetreiber RTE rief Bevölkerung und Wirtschaft zum Stromsparen auf. Frankreich musste teilweise aus allen umliegenden Ländern Strom importieren.

In Deutschland sieht es etwas besser aus. Es werden immerhin mehr als 70% der Kapazität genutzt. Der weltweite Durchschnitt liegt übrigens bei 66%.

n-tv.de/wirtschaft/Frankreich-
diw.de/documents/publikationen
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4. ist teuer. Die US Investmentbank Lazard kommt bspw. auf Kosten von aktuell 129 - 198$ pro MWh. Zum Vergleich: liegt bei 59 - 101$, bei 29 - 54$, bei 65 - 159$. Die Internationale Energie Agentur nimmt noch den Faktor System-Dienlichkeit hinzu. "Für die EU im Jahr 2019 berechnet die Agentur Kosten für Atom in Höhe von 145 US-Dollar pro Megawattstunde." Das ist mehr als jede andere Energie-Erzeugungsform. "Tatsache ist also, dass der Neubau von Atomkraftwerken nicht wettbewerbsfähig ist – und dies in den Projektionien der Internationalen Energie-Agentur, trotz angenommener (aber nicht belegter) technologischer Fortschritte, auch im Jahr 2040 nicht sein wird." Der BUND Schleswig-Holstein weist zudem darauf hin, dass auch heute schon an der Strombörse teurer ist als Strom aus erneuerbaren Quellen und somit kaum einen Einfluss auf den Strompreis von Endverbaucher:innen hat.

positionen.wienenergie.at/blog
bund-sh.de/energie/atomkraft/h
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Ich lasse es erstmal gut sein, auch wenn man sicherlich noch weitere Punkte anführen könnte. Alles in allem macht es in meinen Augen überhaupt keinen Sinn, jetzt die AKW nochmal aus der Mottenkiste zu holen. Das würde uns am Ende neben einem Haufen Geld nur wertvolle Zeit kosten, die wir nicht haben, und dabei kaum bis überhaupt nicht helfen, weder bei der noch bei der .
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